Liebe Freundinnen,
Es kann sein, das ich meine erotische Kolumne künftig anders strukturieren muss, aus Zeitgründen. Bis Montag habe ich Bedenkzeit, dann soll ich mich entschieden haben: Kolumne für lau oder Interpretation einer alten Schwarte.
„Wie bitte, um was geht es denn?“ hab ich meinen Chef gefragt, der mir ja schon seit längerem Stress macht, weil ich nicht genug Ideen brächte, unergiebig und ungeil schreibe. Es geht ihm um die „Ertragssituation“ bei Gucknet. Rote Zahlen könne er sich einfach nicht mehr leisten, ich sei zu teuer, er müsse mir kündigen, oder ich müsse auf eigene Rechnung schreiben, er bietet mir 45 Prozent der Werbeeinnahmen an, das Fixum sei gestrichen.
Das ist bitter. Wenn ich hier auf Provisionsbasis arbeite, bleibt mir natürlich auch nicht genug – fast nichts reicht einfach nicht. Ich kann das hier natürlich fortführen, aber mehr als Hobby.
Wenn ich Roman bitte, mir etwas strukturierter zu schreiben, gehen seine mails ja vielleicht auch. Das wäre mal zu testen, wie Euch so ein direkter Einblick in eine moderne Fernbeziehung gefällt; abbrechen kann ich das Projekt ja immer noch.
Die andere Option wäre, ein uraltes Buch für Frauen auf Neu umzutrimmen. Eigentlich handelt es sich um einen Dreiteiler; die ersten zwei Teile sind für Männer geschrieben, und der letzte Teil behandelt die die Liebeskunst für Frauen. Ich hab mal die erste Seite angelesen – ganz nett, wenn ich auch diesen OVID nicht einschätzen kann: Ziemlich widersprüchlich, unlogisch, aber das bin ich ja auch, wenn ich nicht will, dass Einer weiß, woran er mit mir ist.
Die Grundidee scheint zu sein, dass Frauen in die Lage versetzt werden, selbst zu fischen, statt sich angeln zu lassen. Da brauch' ich selbst zwar keine Nachhilfe, aber Ihr wisst ja auch, wie passiv die meisten Mädels da sind. Mal sehn, wie das wird.
Die ersten zwei Teile – also das Zeug für die Männer, hat der Chef schon selbst durchgekaut, und den Text hab' ich als PDF. Den darf ich auf gar keinen Fall weitergeben, aber ich hab es eben dem Roman an eine E-mail angehängt, dann soll der mir das bei nächster Gelegenheit mal vortragen, und ich spare mir das selber-Lesen.
Der Chef hat einen ziemlich gestelzten Schreibstil – sehr ermüdend, finde ich. Eigentlich wäre das ja egal, aber wenn ich mir sein Geschäftsmodell anschaue, krieg ich das kalte Grausen: Auch hier soll ich auf Provisionen angewiesen sein.
Also, glaubt nicht an das Märchen von der Freiheit der freischaffenden Künstlerin: Wenn ich Pech habe, floppt die Sache mit der alten Schwarte, und ich hab geloost.
Dione – muss Frau das wissen, wer Dione war?
... Dione insidias illas, quas tulit ipsa, dare. ARS AMATORIA 2, 593-600 Nicht nur Ovid , sondern auch Venus selbst verbietet es, die Fallen zu stellen, ...
Da seht ihr es: Das kann in detektivische Arbeit ausarten. Oder auch nicht. Mal sehn. Ich hab' ja noch zwei Tage zum überlegen… Und irgendwie fürchte ich, wenn ich den Job annehme, kann ich meine Männer nicht mehr so wichtig nehmen.
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Ich muss nicht alles wissen, sehen, hören
Fortsetzung
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