
"Doch Träume sind wie kokette Frauen, sie verbergen und enthüllen zugleich. Sie kleiden unsere Wünsche in ein anderes Gewand und geben sie als Verfolger aus, damit wir uns, wenn wir vor Furcht oder Abscheu zittern, die Taten, die wir sehnlichst zu begehen wünschen, nicht einzugestehen brauchen. Je größer die Masse der aufgestauten Gefühle, desto dämonischer ist die Gestalt, die sie annehmen, und desto mehr sehen wir uns als Opfer. Auf diese Weise weichen wir so lange wie möglich der Erkenntnis unseres wahren Schicksals aus und ziehen es vor, uns mit trostlosen Phantasien zu verzehren, anstatt den lebensnotwendigen Schritt zu tun, der uns auf einen neuen Weg stoßen könnte. "
Liebe Freundinnen,
kennt Ihr diese Faszination, die von einer männlichen Stimme ausgehen kann, wenn einer Euch das Gefühl vermittelt, ganz für Euch da zu sein, nur für Dich zu erzählen, so von Person zu Person, von Mann zu Frau?
Es heißt ja, bestimmte Hormone, die die zwischenmenschliche Bindung fördern, würden ausgeschüttet, wenn der Säugling saugt oder die Erwachsenen miteinander schlafen; ich glaub ja, das passiert auch beim Zuhören - dass es nur auf den Inhalt ankommt, glaub ich ja nicht, sondern, auch was das Hören betrifft, gibt es bestimmt Prägungen, auf einen besonderen Tonfall oder Stimmmuster, die vertraut sind, oder so ähnlich.
Oder fördert der stete Fluss der Geschichte eine tiefe Entspannung, indem dabei irgendwelche besonderen Gehirnwellen aktiviert werden? Das kann natürlich auch sein - probiert es halt einfach mal selbst aus.
Sucht Euch eine Geschichte aus, bei der ihr gut abschalten und träumen könnt und vereinbart mit der vorlesenden Person, dass sie mindestens eine halbe Stunde am Stück liest, vielleicht etwas exotisches, vielleicht etwas erotisches, oder beides. Dann schaltet die bewussten Gedanken ab und lasst Euch einfach treiben, von der Stimme tragen. Langsame, ruhige Atmung und eine ebensolche Akupressur der Klitoris können dann zu einem Bewusstseinszustand führen, der traumähnlich ein aktives Miterleben des Erzählten, ein mentales Schweben, ermöglicht.
Also, bei mir war das heute so intensiv, dass mich schon die Erinnerung daran ganz scharf macht. Interessant, dass es meinem Vorleser genauso geht.
Roman meint ja, dass dieses Wechselspiel von Vorlesen und Zuhören einer gemeinsam durchlebten Phantasie entspricht und dass dieses Gemeinschaftserlebnis Hemmungen, von eigenen Phantasien zu berichten, abbauen kann.
Was das betrifft, muss ich ihm auch zustimmen. Ich hab noch vor kurzem gedacht, meine Ideen gehen doch einen Fremden nichts an, aber das hat sich grundlegend geändert - hängt aber vielleicht auch damit zusammen, dass er mich gebeten hat, sie ihm zu erzählen oder aufzuschreiben. Aus der Scheu kann also auch ein Bedürfnis werden.
Zum aktiven Zuhören gehört auch unbedingt, dem Vorleser zu sagen, wie es Euch gefallen hat, das braucht nicht viele Worte, muss aber sein - aber, das ergibt sich dann, wie gesagt, durch die veränderte Stimmung schon von selbst.
Ich hab über einen Rollentausch noch gar nicht nachgedacht, mir kam die Idee bloß gerade eben - na ja, vielleicht, wenn ich mal eine sehr spezielle Geschichte finde, da kommt wieder diese frauliche Neugier zum Tragen: Wird er so reagieren, wie ich mir das vorstelle, und was kann ich tun, damit er...
Ein dummer Gedanke, den ich gar nciht weiterdenken kann: Wir hatten doch vereinbart, dass er anruft - und jetzt sind schon 5 Minuten vorbei, ohne dass er sich meldet. Puh, werd' ich kribbelig, ungeduldig.
Wenn ich jetzt aber ihn anrufe, merkt er ja, dass ich es gar nicht erwarten kann...
Ach, egal - soll er es doch wissen, von mir aus denken, er hätte mich an der Angel, ich ruf' jetzt an ...
Nichts. Freizeichen, und Roman hebt nicht ab. Ob er verhindert ist? Puh, da kann ich nur warten -
Oh, TELEFON!